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Geschichte von Osterwitz und des Gebietes im Detail

Über Besiedelungen des Gebietes in der Ur- und FrĂŒhgeschichte ist nichts bekannt, Streufunde aus der Jungsteinzeit (4000 – 2000 v. Chr.) im Raum TrahĂŒtten und aus der Bronzezeit (2000 – 1200 v. Chr.) in Freiland weisen aber darauf hin, daß Menschen frĂŒherer Epochen sich in höhere Regionen zumindest zeitweise vorgewagt haben (es gab wahrscheinlich schon Saumpfade ĂŒber die Koralpe).

Erste Besiedlungsnachweise im Umfeld von Osterwitz gibt es aus der Hallstattzeit (750 – 450 v. Chr.) und La Tene Zeit (450 v.Chr. – Chr. Geburt), das Osterwitzer Gebiet gehörte damals zum keltischen Königreich der Noriker, das im 2. Jhdt. v. Chr. entstanden war.

15 v.Chr. erobern die Römer unter Kaiser Augustus keltisches, d.h. norisches, Gebiet und errichten dort die römische Provinz Noricum. Die Weststeiermark steht unter dem Verwaltungsbereich von Flavia Solva (Nachfolgesiedlung eines keltischen Siedlungsortes am Frauenberg bei Leibnitz) und wird romanisiert.

166 n. Chr.: Beginn der Völkerwanderung; der Germanenstamm der Markomannen verwĂŒstet große Teile der Provinz Noricum, Flavia Solva wird zerstört. Kaiser Marc Aurel schlĂ€gt die Markomannen zurĂŒck, die zerstörten Siedlungen werden teilweise wieder aufgebaut. Das Gebiet kommt aber nicht zur Ruhe, bereits 196 n. Chr. muß ein Aufstand norischer Provinzialer von den Römern mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.

Der Einfall der Hunnen in Europa um 375 n. Chr. zwingt den römischen Kaiser, GermanenstĂ€mme sĂŒdlich der Donau ansiedeln zu lassen. Ein Schutz des Gebietes wird dadurch aber nicht erreicht, die Markomannen plĂŒndern die Provinz Noricum mehrmals und 405/406 n. Chr. bereiten die Ostgoten unter ihrem FĂŒhrer Radagais der römischen Kultur in unserem Raum ein Ende.

Es folgen wirre und schwierige Zeiten: Ab 433 n. Chr. gehört die ehemalige Provinz Noricum zum Einflußbereich der Hunnen, ab 468 n. Chr. gerĂ€t sie unter gotische Herrschaft, weitere germanische StĂ€mme wie Odoaker, Ostgoten und Langobarden folgen wenig spĂ€ter und hinterlassen Spuren der Zerstörung.

568 verlassen die Langobarden, gedrĂ€ngt durch das aus dem Osten stammende Reitervolk der Awaren, den pannonischen Raum, in das freigewordene Gebiet dringen Awaren und verschiedene, unter ihrer Herrschaft stehende, slawische Gruppen ein. Als die Awaren 626 vor Konstantinopel eine schwere Niederlage erleiden, gelingt es den Slawen, sich aus awarischer Herrschaft zu lösen und das slawische FĂŒrstentum der Karantanen zu bilden. Zu Karantanien (KĂ€rnten) gehört auch die Weststeiermark, Zentrum des Herzogtums ist die Karnburg im Zollfeld.

Der Name „Osterwitz“ stammt aus dem Slawischen und bedeutet „Scharfenberg, scharfes Eck oder Kante“. Ob der Name auf eine slawische OrtsgrĂŒndung schließen lĂ€ĂŸt, oder einfach eine Lagebezeichnung - vielleicht zur Orientierung beim AlmĂŒbergang - bedeutete, muß offen bleiben. Bedingt durch die gĂŒnstige Schutzlage, zwischen den beiden TĂ€lern des Betleitenbaches und der Laßnitz, könnte Osterwitz auch eine RĂŒckzugssiedlung der Slawen wĂ€hrend der spĂ€teren Landnahme durch die Baiern gewesen sein. Mit Sicherheit lĂ€ĂŸt sich sagen, daß der Name „Osterwitz“ durch seine slawische Bezeichnung zu den Ă€ltesten Flurnamen des Koralpengebietes gehört. DafĂŒr spricht die Herkunft des Ortsnamens, die Lage einer alten Handelsstraße, die durch den Ort ging und im Bereich des Wildbachersattels die heutige Landesgrenze ĂŒberquerte, die Existenz eines Wehrturmes in Osterwitz, der bereits im Jahre 1418 als „ Burgstall“ bezeichnet wird und die gĂŒnstige Lage auf einem HöhenrĂŒcken zwischen zwei tief eingeschnittenen FlußtĂ€lern.

Ab 641 versuchen die wiedererstarkten Awaren, Karantanien zu unterwerfen. Der karantanische FĂŒrst Boruth wendet sich an die Baiern um Hilfe, die deren Herzog Odilo auch gewĂ€hrt, allerdings unter der Bedingung der Anerkennung bairischer Oberhoheit. Odilo unterwirft 743 die Awaren und stellt Karantanien unter seine Herrschaft. Bischof Virgil von Salzburg beginnt mit der Slawenmissionierung im karantanischen Raum.

Die Karantanen versuchen in der Folge in mehreren AufstĂ€nden, sich aus bairischer Herrschaft zu lösen, der Nachfolger Odilos, Herzog Tassilo von Baiern, besetzte daraufhin 772 das Gebiet. Er beabsichtigt, sich von frĂ€nkischer Oberhoheit zu lösen und verbĂŒndet sich zu diesem Zweck mit den Awaren. Dagegen schreitet der Frankenkönig Karl ein; er setzt Tassilo ab und schließt Bayern dem frĂ€nkischen Reich an.

791 und 796 fĂŒhrt Karl siegreiche Kriege gegen die Awaren, ab diesem Zeitpunkt gehört Karantanien zum FrĂ€nkischen Reich. Gegen die Awaren richtet Karl (ab dem Jahr 800 "Kaiser Karl der Große") die "Awarische Mark" ein; ein Grenzgebiet, das mit speziellen Aufgaben und Rechten ausgestattet wird. Ludwig der Fromme ersetzt ab 828 die einheimischen karantanischen FĂŒrsten durch frĂ€nkische Grafen und löst damit in verstĂ€rktem Ausmaß bairische Zuwanderung und die Missionierung des Gebietes aus.

Erobertes Land gilt als Königsland und wird von den Herrschern oftmals an die Kirche und/oder weltliche Adelige verschenkt, deren erste Aufgabe die Urbarmachung und Besiedelung ist. So können die Erzbischöfe von Salzburg im Laufe der Zeit zahlreiche Besitzungen aus dem GĂŒterkomplex des Kaisers durch Schenkungen erwerben.

860 schenkt Kaiser Ludwig der Deutsche dem Erzstift Salzburg verschiedene GĂŒter und Höfe, einer davon wurde als „ad Sulpam“ ("an der Sulm" – in der Weststeiermark gelegen) bezeichnet.

Um 900 fĂ€llt das Reitervolk der Magyaren (Ungarn) unter ihrem FĂŒhrer Arpad ins FrĂ€nkische Reich ein. Da die Weststeiermark zu dieser Zeit ein Randgebiet Karantaniens ist, kann vermutet werden, daß die Magyaren wiederholt Raub- und PlĂŒnderungszĂŒge auch in dieses Gebiet unternommen und es verwĂŒstet haben.

Nach dem Sieg eines frĂ€nkischen Reichsheeres unter Otto I. ĂŒber die Ungarn 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg beginnt ein neuer Abschnitt der Geschichte:

970 schenkt Kaiser Otto II. dem Erzbistum Salzburg einen Hof, der Nidrinhof genannt wird und dazu 50 Königshuben, die sich der Erzbischof selbst aussuchen kann. Der Nidrinhof, nordöstlich der Ulrichskirche bei Deutschlandsberg gelegen, wird Salzburger Verwaltungssitz und der neue Grundherr, das Erzbistum Salzburg, beginnt eine abermalige Kolonisation und Besiedelung des Laßnitz- und Koralpengebietes einzuleiten; er ruft dazu vor allem bairische Siedler ins Land. Es werden Marken als Grenzeinrichtungen geschaffen; 970 wird die Karantanische Mark (mit der Weststeiermark) als eine von 5 Marken erstmals urkundlich genannt. Die Verwaltung wird dem Geschlecht der Eppensteiner ĂŒbertragen, die ihren Verwaltungssitz auf der Hengistburg bei Wildon und ihren Stammsitz auf der Burg Eppenstein bei Weißkirchen in der Obersteiermark haben.

Ab 970 ist somit ein großer Teil der Weststeiermark in grundherrschaftlicher Hinsicht, wie auch in geistlichen Belangen, dem Erzbistum Salzburg unterstellt, der bairische Bevölkerungsteil wird zum vorherrschenden Volkstum. In einem Diplom von 1052 wird die Herrschaft des Salzburger Erzbistums als "Herrschaft Londsperch" in ihren AnfĂ€ngen faßbar (der Name Lonsperch leitet sich von "lons", dem gekĂŒrzten Namen der Laßnitz, und von "perch" oder Berg ab: Lonsperch, oder Lonsperg, ist somit der von der Laßnitz umflossene Berg, bzw. die umflossene Burg).

Um 1050 brechen in der Steiermark erneut unruhige Zeiten aus: Es kommt zu AdeligenaufstĂ€nden und auch die Ungarn fallen erneut ein. In der Folge legt man um 1152 den Verwaltungssitz Salzburgs fĂŒr die gebietlichen Besitzungen, zu denen auch Teile des Koralmgebietes mit Osterwitz gehören, auf die Burg Lonsperch. Diese wird erstmals 1188 in einer Urkunde, in der der Erzbischof von Salzburg einem Priester Frodo ein Waldgebiet bei Freiland zur Rodung ĂŒbertrĂ€gt, erwĂ€hnt, sie wurde aber sicherlich schon wesentlich frĂŒher erbaut. Verwalter der Burg und der Besitzungen sind die Lonspercher; als Ministerialen des Erzbischofs haben sie die Burg und das Salzburger Herrschaftsgebiet als Lehen inne. Als sie um 1218 Burg und Herrschaft als erbliches Lehen fĂŒr sich beanspruchen, kommt es zum Konflikt mit Salzburg; nach einem langen Streit werden die Lonspercher 1263 zum Verzicht auf Herrschaft und Burg gezwungen. In der Folge lĂ€ĂŸt das Erzbistum Salzburg die Burg und Herrschaft nur noch von Burggrafen, wie den Holleneggern oder Fladnitzern, verwalten; diese werden besoldet und können jederzeit des Amtes enthoben werden.

Es gibt gute GrĂŒnde fĂŒr die Annahme, daß spĂ€testens im 13. Jhdt. Siedler nach Osterwitz kamen, um das Land zu roden und urbar zu machen. Zur Kultivierung und Bebauung der GrĂŒnde werden Bauern angesiedelt, die zweifach an den Grundherren gebunden sind: Einerseits durch die GrunduntertĂ€nigkeit - der Bauer darf nur mit Zustimmung des Grundherren die Wirtschaft verlassen – und andererseits durch die Leibeigenschaft - der Bauer gehört mit Leib und Leben dem Grundherren; er darf ohne dessen Erlaubnis nicht einmal heiraten. EigentĂŒmer des Landes bleibt stets der Grundherr; dieser hat seine Untertanen zu schĂŒtzen und zu schirmen, sie sind dafĂŒr vom Kriegsdienst ausgenommen. Als Gegenleistung mĂŒssen die Bauern Abgaben und Robot leisten, d.h. Arbeit auf den herrschaftlichen GrĂŒnden verrichten.

Die Zeiten bleiben unruhig: Um 1300 beginnen jahrzehntelange Grenzstreitigkeiten mit der Schwanberger Herrschaft ("Almkrieg" um den Kumpfkogel und das BĂ€rental) und um 1430 kommt es zu einer Fehde der Salzburger Ministerialenfamilie der Wolfsauer gegen das Erzbistum, in deren Verlauf auch Lonsperch involviert war. In der 2. HĂ€lfte des 15. Jhdt. erheben sich steirische Adelige unter der FĂŒhrung des Ritters Andreas Baumkirchner gegen Kaiser Friedrich III.; Schwanberg und seine Umgebung wird von den Söldnern Baumkirchners verheert.

Ab 1445 besteht in Osterwitz eine eigene Pfarre. Diese ist sehr ausgedehnt und umfaßt bis 1780 auch TrahĂŒtten, Warnblick und Laufenegg bei Deutschlandsberg. Neben dem Pfarrer sind 2 bis 3 KaplĂ€ne in Osterwitz tĂ€tig.

1473 kommt es zu einem Konflikt zwischen dem Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr und Kaiser Friedrich III., in dessen Verlauf der Erzbischof Hilfe beim ungarischen König Matthias Corvinus sucht. Dieser verpflichtet sich, das Erzstift zu schĂŒtzen, dafĂŒr ĂŒbergibt ihm Bernhard alle salzburgischen Besitzungen in der Steiermark und KĂ€rnten. 1479 besetzen ungarische Truppen die Mehrzahl salzburgischer Burgen und Orte in diesen LĂ€ndern, u.a. auch die Burg und den Markt Lonsperg.  

1471 fallen die TĂŒrken in die Steiermark ein und verwĂŒsten das Land; sie kehren in AbstĂ€nden von wenigen Jahren mehrmals wieder und töten und zerstören, was ihnen in die HĂ€nde fĂ€llt.

Die Auswirkungen all dieser Konflikte und Kriege sind fĂŒr die Bevölkerung katastrophal; im Marchfutterurbar 1479/80 wird erwĂ€hnt, daß ein Großteil der Osterwitzer Huben verödet ist.

Die ungarische Besetzung endet 1490 mit dem Tod von Matthias Corvinus, der Habsburger Kaiser Maximilian nimmt die salzburgischen Gebiete in der Steiermark in seinen Besitz und verpfĂ€ndet Leibnitz, Landsberg und St. AndrĂ€ im Lavanttal an die BrĂŒder Weispriach.

1494 kommt es zu einem Vergleich zwischen dem Kaiser und dem Erzbistum, Salzburg kauft seine Besitzungen zurĂŒck. Die Salzburger Erzbischöfe mĂŒssen allerdings nach langem Verhandeln im Rezeß von Wien 1535 die habsburgische Oberhoheit ĂŒber alle ihre in den habsburgischen LĂ€ndern gelegenen "herrschaften, schlösser, steten, mĂ€rkhten und guettern" anerkennen. Die Herrschaft Landsberg steht damit ab diesem Zeitpunkt in letzter Instanz unter der Oberherrschaft der Regierung des LandesfĂŒrsten in Graz.

Mit dem RĂŒckkauf des Gebietes durch die Salzburger Bischöfe 1494 beginnt eine fruchtbare Zeit: FĂŒr 100 Jahre gibt es Frieden, man bewerkstelligt den Wiederaufbau des schwer beschĂ€digten Gebietes und fĂŒhrt eine Vielzahl von Wiederbesiedelungen durch. Mehrmals kommen Erzbischöfe auf Besuch, verleihen GĂŒter und Zehente (und werden vermutlich auch am fĂŒrstbischöflichen Jagdsitz in Osterwitz, dem Hofbauer, der Jagd nachgegangen sein).

Um Kapital fĂŒr den barocken Umbau der Stadt Salzburg zu gewinnen, verkauft 1595 der Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raittenau Landsberg an Hans Jakob von Kuenburg. Der Kauf beinhaltet u. a. die Herrschaft ĂŒber das Schloß Landsberg, den Markt, die umgebenden Siedlungen, sowie Vogteirechte ĂŒber die Kirchen in Landsberg und Osterwitz. Die Kuenburger, ein altes KĂ€rntner Adelsgeschlecht, hatten sich im 15. und 16. Jhdt. zu hohem Ansehen emporgearbeitet und stellten auch zwei Salzburger Erzbischöfe. Mit den Kuenburgern beginnt die SelbstĂ€ndigkeit der Herrschaft Landsberg, aus dem Jahre 1623 stammt das Ă€lteste erhaltene Gesamturbar des Gebietes. 

Um 1600 sind in Osterwitz alle bĂ€uerlichen Besitzungen Kaufrechtshuben, d.h. die Bauern besitzen das Recht, Grundbesitz mit Zustimmung des Grundherrn zu kaufen oder zu verkaufen - 10% der Kaufsumme mĂŒssen dabei der Herrschaft abgeliefert werden. Diese bĂ€uerlichen Rechte hingen vermutlich mit der exponierten Lage der Ortschaft zusammen; die Grundherren waren in schwierigen Situationen gezwungen, den Bauern Rechte einzurĂ€umen: Solche Situationen waren z. B. das Auftreten der Pest um 1348 und die TĂŒrken- und Ungarnkriege ab 1471. Es kam dadurch zu starken BevölkerungsrĂŒckgĂ€ngen, die dazu fĂŒhrten, daß man die öden Wirtschaften anderen Bauern zur Weiterbewirtschaftung als Zuhuben ĂŒbergeben und dazu besondere Anreize bieten mußte. 

1630 gelingt es dem Salzburger Erzbischof Paris Graf Lodron, den vor 35 Jahren verkauften steirischen Besitz um den einstigen Kaufpreis zurĂŒckzuerhalten; die Kuenburger werden durch einen Machtspruch des Kaisers zur Herausgabe gezwungen. Unter Salzburger Verwaltung beginnt man 1640 ein Urbar der Herrschaft Landsberg anzulegen, das im Jahre 1680 ergĂ€nzt wird und in dem sĂ€mtliche Anwesen der Herrschaft, u.a. auch die in Osterwitz, beschrieben werden.

Zu Beginn des 19. Jhdts. wird das Erzbistum Salzburg im Zuge der Napoleonischen Kriege sĂ€kularisiert. Das weltliche FĂŒrstentum wird aufgelöst, die geistliche Macht bleibt erhalten. Salzburg verliert seine weltlichen Besitzungen und wird ein Kronland des österreichischen Kaisers. Damit endet die lange Besitzgeschichte des Erzbistums Salzburg im Landsberger Raum und die volle politische und wirtschaftliche Zugehörigkeit des Gebietes zum Land Steiermark beginnt.

1804 geht das Gebiet als "K.k. Kameralherrschaft Landsberg" in den Besitz des Staates ĂŒber; dieser verkauft 1811 die Herrschaft an Moritz Graf von Fries, den Sproß einer Bankiersfamilie, der durch finanzielle Transaktionen reich geworden war. Der Übergabevertrag nennt alle ZehentpachtvertrĂ€ge und bezeichnet dabei die HĂ€lfte aller Osterwitzer Untertanen als „verarmt“. Fries macht durch sein luxuriöses Leben und infolge mehrerer Fehlkalkulationen enorme Schulden und ist daher gezwungen, 1820 die Herrschaft Landsberg (mit den Herrschaften Feilhofen und Frauental) an FĂŒrst Johann von und zu Liechtenstein zu verkaufen. 

1848 wird (auf Antrag des Abgeordneten Hans Kudlich) die GrunduntertĂ€nigkeit der Bauern aufgehoben. Der Wert einer Liegenschaft wird gedrittelt: Ein Drittel des Wertes erhĂ€lt der Grundherr vom Staat, ein Drittel hat der Bauer in 20 Jahren selbst aufzubringen und auf ein Drittel muß der Grundherr verzichten. In der Folge zeigt sich jedoch, daß die Bauern ihr Drittel oftmals nicht ablösen und die Höfe, ohne Schulden zu machen, nicht bewirtschaften können; die ehemaligen Grundherren beginnen daher in vielen FĂ€llen, die Liegenschaften aufzukaufen. So auch FĂŒrst Franz de Paula von und zu Liechtenstein (gestorben 1887), der mit dem Kauf von Bauernhöfen fĂŒr eine wesentliche VergrĂ¶ĂŸerung seiner Besitzungen im Koralpengebiet, speziell in Osterwitz und GlashĂŒtten, sorgt. Seine Nachfolger fĂŒhren diese Politik fort und so kommt es, daß sich heute viele ehemalige Höfe von Osterwitz im Besitz der Familie Liechtenstein befinden; von den um 1800 genannten 46 Bauernhöfen existiert derzeit nur mehr die HĂ€lfte.

Dr. Gerfried Pongratz
Kontakt: pongratz(at)westnet.at


Quellen:
B. Mader: "Die Alpenslawen in der Steiermark"
G. Fischer: "Osterwitz"
G. Jontes: "Die GrĂŒne, die Eherne Mark"
W. Kleindel: "Österreich"
W. Tscherne: "Von Lonsperch zu Landsberg"
St. Vajda: "Felix Austria"
H. Wolfram (Herausgeber): "Östereichische Geschichte"
O. Pickl (Herausgeber): "Geschichte der Steiermark"